Grafik auf der franz.K Kunstwand

Weißraum? Kunst? Design?

Jens Staudt, Diplom Kommunikationsdesigner und der 4zig Künstler:

Als Einleitung möchten wir eine Frage stellen, die sicher vielen von Ihnen im Kopf herumschwirrt:
Wenn man eine Fläche gestalten darf, warum sieht sie nach dem Prozess aus, als ob nichts darauf abgebildet ist?

Als Menschen reden wir gerne über Dinge. Das ist etwas, dass wir verstehen. Das ist konkret. Wenn man sich in Richtung Design orientiert, werden aber plötzlich die Zwischenräume interessant, ja fast wichtiger.
Warum? Taucht etwas in einer Anhäufung ohne Ordnung und Abstände auf, verschwimmt es zu einer grauen Masse, in der die Einzelteile keine Rolle mehr spielen. Das können Buchstaben, Grafiken, Bilder oder auch die Kombination aus allem sein.
Als Designer kämpfen wir immer um Platz, damit die einzelnen Bestandteile eine geplante Beziehung zueinander aufbauen – und somit ihre entsprechende Wirkung entfalten können. Der sogenannte Weißraum tritt dabei in den Hintergrund und lenkt das Auge des Betrachters auf die Objekte, welche primär dessen Aufmerksamkeit erregen sollen. Dabei gilt: Je besser mit der Leere umgegangen wird, desto weniger fällt sie auf. Was nicht auffällt ist, in den Augen des ungeschulten Betrachters, nicht wichtig und sollte Platz machen für mehr Dinge. So muss die Ruhe oft einem MEHR an Information weichen. So zumindest die weitläufige Meinung.

Gegen diese Überreizung durch zu viel Information kämpfen wir Designer. Denn MEHR ist nicht immer mit einem MEHRwert verbunden. Anstatt eine Abbildung von Dingen zu zeigen, zeigen wir lieber die Ruhe dazwischen. Eine – auf den ersten Blick – weiße Wand, welche im Stadtbild nicht laut kreischend, wie das x-te Werbeplakat um Ihre Aufmerksamkeit buhlt.

Die Ruhe soll Anregung dafür sein etwas zu schaffen.
Nicht wahllos – einfach damit es gefüllt ist, sondern mit neuen Ideen. Ideen, unbeeinflusst von dem was sie umgibt. Rein und ohne Vorurteile. Ohne Beeinflussung durch das Grundrauschen.

Wir verkehren auf unserem Plakat die Bedeutungsebenen. Hier ist der Weißraum die primäre Information. Auf der zweiten Ebene, die vom Betrachter sprichwörtlich durch unterschiedliche Perspektiven und Bewegung vor dem Plakat erarbeitet werden muss, eröffnet sich die Information.

Bärbel Dangel, bei 4zig Konzept und Beratung:

Manche Dinge sieht man erst auf den zweiten Blick.
Ruhe ist der größte Verlust in der heutigen Zeit.
Manchmal wäre es schön, einfach auf einem weißen Blatt neu anfangen zu können.

Wir befinden uns in einer Zeit, in der Wissen und Nachdenken aus der Mode gekommen ist. Man glaubt, Dinge ohne sie zu prüfen, man teilt, ohne zu lesen und man verurteilt, ohne nachzudenken.
Wir wünschen uns mit diesem Plakat, dass immer ein zweiter Blick auf die Dinge geworfen wird, dass wir nachdenken und beginnen zu hinterfragen.

Die Ereignisse überschlagen sich, die Welt ist schnell geworden, Werte haben an Beständigkeit verloren oder sind nur noch leere Hülsen. Man ist umgeben von immer mehr und hat eigentlich immer weniger. Es ist an der Zeit, Ruhe zu suchen, sich auf seine Werte zu besinnen; sich Zeit zu nehmen, Dinge wirken zu lassen.
Wir wünschen uns mit diesem Plakat ein bisschen Ruhe in die heutige Zeit zu bringen, um das Wesentliche besser sehen zu können.

An manchen Stellen trifft man auf verhärtete Fronten und Meinungen, auf Vorgänge, die eine Eigendynamik bekommen durch Aussagen wie „Das hat man immer schon so gemacht“. In diesen Momenten kann es passieren, dass keiner mehr die Möglichkeit hat, ein besseres Ganzes zu finden, da er nicht mehr von seiner Meinung oder Gewohnheit zurücktreten kann.
Wir wünschen uns mit diesem Plakat, dass man manchmal einfach ein weißes Blatt zur Hand nimmt und versucht, mit Bedacht neu zu beginnen.

Ist das Kunst? Ist Design Kunst? Gibt es grafische Kunst?
Grafik ist ein Handwerk – wie Zeichnen – und kann Mittel sein, Kunst zu erschaffen, aber ist dadurch jeder Grafiker ein Künstler? Kunst hat in der heutigen Zeit viele Freiheiten bekommen, vieles wird nicht mehr so eng gesehen, aber Kunst sollte immer frei sein. Design dagegen hat immer einen Auftrag, den es zu erfüllen gilt. Design muss nicht gefällig sein, es darf ebenso wie Kunst anecken, aber es muss dieses Anecken so betreiben, dass die Zielgruppe sich damit identifizieren kann. Kunst hat diesen Auftrag nicht, sie darf hemmungslos infrage stellen, verstören oder vor den Kopf stoßen. Kunst kann aber auch ganz friedlich daherkommen oder einfach nur schön sein – und hier ist das Design konsequenter. Design ist nie einfach nur schön, es hat immer einen Grund. Hinter gutem Design steckt immer ein gut ausgearbeitetes Konzept, viel Recherche und eine durchdachte, handwerklich perfekte Gestaltung.

Machen wir hier wirklich Kunst? Nein, es ist Design. Ist das hier wirklich Street Art? Nicht im klassischen Sinne.

Was macht uns zu einem Designbüro und Jens Staudt zu unserem Künstler? Wir sind ein Designbüro, weil wir Design im besten Sinne leben. Wir machen nichts aus Versehen, wir machen nicht nur hübsch. Wir arbeiten nicht nach Bauchgefühl. Wir erarbeiten unsere Gestaltungen, wir kennen die Zielgruppen und deren Bedürfnisse, wir beobachten die Konkurrenz, wir wissen alles über die Unternehmungen, für die wir arbeiten. Wir wissen, wo sie herkommen und wo sie hinwollen, wir beziehen den Endverbraucher gedanklich in die Art der Gestaltung mit ein, denn ihm muss sie passen, auf ihn muss sie zu geschneidert werden. Um aber Dinge zu schaffen, die anders sind, mutig, auffällig, besonders, brauchen wir unseren Künstler, einen, der alles infrage stellt.

Warum steht jetzt hier ein Designbüro und nicht nur ein Künstler? Weil wir keine Kunst gemacht haben! Wir haben etwas geschaffen, das zum Nachdenken anregen darf – oder einfach nur ein bisschen Ruhe bringt. Kunst in unserem Sinne müsste in der heutigen Zeit viel gnadenloser sein und auch solche Ansätze waren auf unserem Weg zu diesem Plakat vorhanden, haben aber an dieser Stelle keinen Platz gefunden, weshalb wir uns auf das berufen haben, was wir alle leben: das Design.

Ein gutes Design ist übrigens nichts ohne eine handwerklich perfekte Umsetzung. Ohne unsere Grafiker, die ihren Job von der Pike auf gelernt haben, und unsere Produzenten, die selbst das Unmögliche möglich machen, wären wir neben einem leeren Rahmen gestanden. Danke an Das Komplot Werbetechnik und Graffiti Siebdruck, für eure Arbeit, eure Unterstützung und das mutige Voranschreiten mit uns.

Kunstwand WEISSRAUM Vernissage franz.K ReutlingenKunstwand WEISSRAUM Vernissage franz.K ReutlingenKunstwand WEISSRAUM Vernissage franz.K ReutlingenKunstwand WEISSRAUM Vernissage franz.K ReutlingenKunstwand WEISSRAUM Vernissage franz.K ReutlingenKunstwand WEISSRAUM Vernissage franz.K ReutlingenKunstwand WEISSRAUM Vernissage franz.K ReutlingenKunstwand WEISSRAUM Vernissage franz.K ReutlingenKunstwand WEISSRAUM Vernissage franz.K ReutlingenKunstwand WEISSRAUM Vernissage franz.K Reutlingen